Der alltägliche Wahnsinn
 



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Übermutter oder doch lieber realistisch?!

Sie springen uns überall entgegen, immer lächelnde und frisch gestylte Mütter mit niedlichen Babys auf dem Arm.
Die Frisur sitzt ebenso brav wie das Baby auf der frisch gebackenen Mutter und das Make Up ist absolut makellos. So steht sie da, beim Bäcker an der Ecke und bestellt mit einem Zahnpastalächeln ihre gesunden Dinkelschrotbrötchen mit leckeren Leinsamenkörnern oben drauf.
Modisch leger ist sie gekleidet, aber dennoch elegant mit einer leichten Tendenz ins sportliche.
Der Hund geht frisch geföhnt und artig bei Fuss und passt farblich natürlich zu Handtasche und Kinderwagen.

So zumindest sehen Mütter in Elternzeitschriften und in der Werbung für Babyprodukte aus.
Aber wie schaut es denn in der Realität aus?

Meine Frisur kuckt struppig und aufsässig unter der Pudelmütze hervor, gerade genug um die Ansätze zu präsentieren, die dringend gefärbt werden müssten.
Mein Make Up besteht aus einem Rest Bananenbrei, den mir meine Tochter mit Elan ins Gesicht geprustet hat und mein Zahnpastalächeln muss ich irgendwo zwischen der Schmutzwäsche und den Windeln liegen lassen haben.
Meine kleine Tochter entwickelt Bärenkräfte, während wir in der endlosen Schlange darauf warten unsere Brötchen zu bekommen.
Sie zieht es ämlich vor, mir meine Mütze vom Kopf zu reißen und der Anblick meiner Frisur verscheucht ein paar der alten Herren die sich gerade ihren Kaffee holen wollten.
Krampfhaft versuche ich den Zwerg zu bändigen, was zur Folge hat dass dieser sich nur noch mehr windet und lautstark Verstärkung anfordert.
Diese meldet sich auch sofort in Form unserer Promenadenmischung vor der Tür.
Quietschend und heulend tobt dieser Fleisch gewordene Möchtegern-Wischmob als wolle man ihm etwas furchtbares antun.
Eine Oma kommt vorbei und versucht die arme Kreatur zu trösten, was ihr ein paar Laufmaschen in den hautfarbenen Nylons einbringt. Laut schimpfend betritt sie die Bäckerei und wirft mir einen vernichtenden Blick zu.
Mir rinnt der Schweiß in Sturzbächen von der Stirn und spült dabei den Bananenbrei weg, der mir nun zu meinem Entsetzen mitten auf der Wange klebt.
Diese Tatsache lässt mein Töchterchen nun allerdings begeistert aufquieken und während sie mir alle zehn Patschefinger ins Gesicht klatscht, schnappe ich mir meine Brötchen und verlasse fluchtartig die Bäckerei.
Das Wechselgeld lasse ich wie immer auf dem Tresen liegen um mein Gewissen zu beruhigen.

Mit dem Mutterbild das man uns in Magazinen und den Medien vorgaukelt, hat die Realität wohl eher wenig zu tun.
Zumindest nicht die Realität der ganz normalen...

 

 

 

24.1.16 15:36
 
Letzte Einträge: Trends auf dem Prüfstand der Realität


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


effi / Website (24.1.16 15:02)
wie wahr wie wahr






kochenmitlafer / Website (24.1.16 17:24)
Ja, ich kann mich gut erinnern ... wenn die Kleinen noch klein sind und man sich selbst gut und gerne mal hinter der letzten Ecke vergessen hat. Stimme Dir zu ... wo gibt es schon "Bilderbuchmütter". LG kochenmitlafer

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